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Mythos Champagner. Da fällt mir doch noch ein Mythos ein. Fängt auch mit C an: Currywurst. Und was haben Champagner und Currywurst miteinander zu tun? Berechtigte Frage. Die Anwort lautet: Champagner und Currywurst sind ziemlich hip zur Zeit – und das nicht nur in Berlin, der Hauptstadt der Currywurst. German Junk Food erlebt ein Revival und und ist gefragt wie noch nie. Extravagante Luxusversionen von Currywurst & Co erobern Deutschland. Immer mehr Edel-Currybuden peppen ihre Speisekarten auf: mit Biowürsten in unzähligen Variationen, angerichtet mit exotischen Saucen und hausgemachten Mayonnaisen. Im schicken Interieur werden Gourmetwürste mit Blattgold und Bio-Pommes mit Wasabi-Mayonnaise auf Porzellantellern serviert, begleitet von Champagner oder Wein. Selbst Sterneköche lassen sich von dem Hype anstecken und eröffnen eigene Pommesbuden oder setzen die Currywurst auf ihre Speisekarten zwischen Jakobsmuscheln und Coq au Vin. Sogar im Luxushotel Adlon steht sie manchmal auf der Speisekarte – mit Champagner! Bei Berlinale-Partys gilt sie genauso als hippes Fingerfood, und beim Bundespresseball ist sie bereits Kult. Auf dem politischen Parkett outete sich Alt-Kanzler Gerhard Schröder als Currywurst-Liebhaber.
Um die Erfindung der Currywurst ranken sich unzählige Mythen. Mancher scheint sich sicher zu sein, dass die erste Currywurst in Berlin zubereitet wurde. Und zwar von Herta Heuwer. Sie verkaufte die Wurst mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver und Worcestershiresauce im Nachkriegsdeutschland an ihrem Imbissstand in Berlin-Charlottenburg. Eine andere Legende besagt, dass die Currywurst von einer Prostituierten von Hamburg nach Berlin gebracht wurde. Auch das Ruhrgebiet beansprucht die Erfindung der Currywurst für sich. Niemand hat diese heiß-fettige Liebe so schön im passenden Jargon festgehalten wie Herbert Grönemeyer 1982 auf seinem Album “Total egal”: “Kommse vonne Schicht, wat schönret gibt et nich als wie Currywurst.” An Imbissbuden im ganzen Ruhrgebiet gilt bis heute die Ansage: Curry mit Pommes Schranke, Mantaplatte oder Schimanski-Teller. Denn multimedial inszenierte sich die Currywurst zuerst im Ruhrpott-Tatort samt Horst Schimanski.
Sicher ist: heute ist die Currywurst deutschlandweit eines der beliebtesten Fastfood-Gerichte. Ob man dazu nun Champagner trinken muss oder gar Wein? Darüber lässt sich streiten. Klar ist: angesagt ist die Kombi aus Champagner und Currywurst auf jeden Fall. Immer mehr Buden spriesen aus dem Boden. Man trifft sich um 5 Uhr morgens nach dem Clubbesuch noch auf ne Curry mit Champagner.
Selbst Stuart Pigott hat sich schon 1997 in einem Artikel in der BZ mit der Currywurst auseinander gesetzt und sich als echten Currywurstfan geoutet. Auch was Champagner mit Currywurst anbelangt hat sich Stuart Pigott ein Urteil gebildet. Er ist der Meinung, dass ein Dom Perignon-Champagner nicht mit der süßen Tomatensauce der Currywurst harmoniert. Wenn schon Champagner, ist er der Meinung, dann ein Veuve Cliquot. Der perfekte flüssige Partner zur Currywurst ist aber süß. Wer es also unbedingt dekadent mag, sich aber nicht superdekadent für den Champagner entscheidet, dem sei ein edelsüßer deutscher Wein zur Currywurst empfohlen. Und schon sind wir wieder bei einer der Grundregeln zur Frage „welcher Wein zu welchem Essen?“: Regional passt immer!


